Digitalisierungsstrategien für Projektentwickler

Die Projektentwicklung gilt in der Immobilienwirtschaft als Königsdisziplin. Die Digitalisierung wird dabei immer mehr zum Faktor. Die Entwicklung von Immobilienprojekten bedarf einer hervorragenden Marktkenntnis, sowie hohem kaufmännischen und technischen Know How rund um den Lebenszyklus von Immobilien. Durch den hohen Individualisierungsgrad lassen sich zudem kaum standardisierte Lösungen entwickeln. Jedes Projekt ist höchst komplex, einzigartig und stark von den handelnden Akteuren – wie zum Beispiel Bauherren, Architekten und Bauunternehmen – beeinflusst. Vor allem in sehr guten Marktphasen ist es im Dschungel des Tagesgeschäftes umso schwerer, zukünftige Entwicklungen im Auge zu behalten und bewährte Unternehmensprozesse zu reformieren. Projektentwickler sollten die gute Marktsituation nutzen, um sich fit für die digitale Zukunft zu machen.

Immer mehr sogenannte PropTech Unternehmen entwickeln digitale Geschäftsmodelle um Ineffizienzen in der Erstellung und in der Verwaltung von Immobilien zu vermeiden. Dadurch können Projektentwickler ihre Geschäftsprozesse nachhaltig verbessern, Kosten senken und langfristig Wettbewerbsfähig bleiben. Digitalisierung ist dabei jedoch leider nicht delegierbar. Sie müssen für Ihr Unternehmen eine sehr konkrete Digitalisierungsstrategie entwickeln, in der Sie Ziele und Maßnahmen definieren. Folgende Aspekte sollte Ihre Strategie definitiv beachten:

1. Nutzung von digitalen Datenräumen und Dokumentenmanagement
Die Erstellung, Verarbeitung, Bereitstellung und Dokumentation von Informationen in Form von Plänen, Verträgen, Protokollen und vielem mehr sind Kernaufgaben der Projektsteuerung. Die Verarbeitung dieser Informationen bedeutet für jedes Projekt einen beträchtlichen Aufwand.

Virtuelle Datenräume sind eine Möglichkeit, Ihr Daten- und Dokumentenmanagement drastisch zu verbessern. Virtuelle Datenräume ermöglichen die Ablage von Dokumenten in einer Cloud. Dadurch müssen die Dokumente nicht an zahllose Projektpartner per Mail versendet werden, sondern können bequem durch einen Downloadlink -bzw. durch eine entsprechende Berechtigung- für die Ablage an die Adressaten verteilt werden. Generell lässt sich zu Cloud Produkten sagen, dass die Daten in der Regel sicherer sind als auf dem Server in Ihren Büroräumen. Allerdings sind Sie dazu verpflichtet, sensible Daten auf Servern in der EU zu speichern. Mit Diensten wie z.B. DropBox können Sie dies nicht garantieren.

Deshalb entstehen immer mehr Unternehmen, die Ihnen Komplettlösungen für den deutschen Raum anbieten. Dabei werden auch Speziallösungen für Projektentwickler und Immobilienunternehmen entwickelt. Eine Adaption dieser digitalen Dokumentenmanagementsysteme ist ein Muss für zukunftsorientierte Unternehmen im Immobiliensektor. Sie können dadurch nicht nur Kosten und Informationsasymmetrien verringern, sondern eine konstante Qualität -bereits ab Kauf bis hin über die Planung, den Bau und den Verkauf einer Immobilie- sichern. Relevante Anbieter sind Conclude, Architrave, Netfiles, PMG, Conject u.vm.

2. Nutzung von digitalem Prozessmanagement
Ein digitales Prozessmanagement ermöglicht Ihnen, Prozesse in Ihrem Unternehmen digital abzubilden. Dadurch können z.B. die Bearbeitung von Rechnungen standardisiert abgebildet und Ihre Qualitätsstandards eingehalten werden. Ihre Mitarbeiter können Dokumente bearbeiten und an Prozessen teilnehmen, auch wenn sie nicht physisch vor Ort sind. Besonders für Vertriebsmitarbeiter und Personal mit hohen Reisetätigkeiten kann dies die Effizienz in Ihrem Unternehmen steigern und Prozesse verkürzen.

3. Brand Building über Social Media Kanäle
Ein Teil Ihrer Digitalisierungsstrategie sollte ebenfalls die Nutzung von Social Media- Kanälen sein. Sie können Kanäle wie Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram u.vm. nutzen, um sehr spezifische Zielgruppen zu erreichen. Je nach Marketingstrategie können Sie aktuelle Projekte bewerben, oder sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Die größten Vorteile dieser neuen Medien sind die Unabhängigkeit von einem Medienunternehmen (Sie brauchen keine Zeitung oder ähnliches um Ihre Zielgruppe zu erreichen), sowie die direkte Erreichbarkeit durch Ihre Leser bzw. Follower. Dadurch können und sollten Dialoge mit Ihrer Zielgruppe entstehen, die Ihnen helfen, sich im Markt klar zu positionieren und Ihre Produkte stetig zu verbessern.

4. Crowdfunding
Crowdfunding hat sich in den letzten Jahren zu einem relevanten Finanzierungsvehikel entwickelt. Über diverse Plattformen können Sie für spezifische Immobilienprojekte Eigenkapital einsammeln. Dabei wird meist eine Finanzanlage in Form eines Nachrangdarlehens emittiert. Das Investorenpooling sowie die Abwicklung der Finanzströme übernehmen die Plattformen. Dafür zahlen Sie eine Vermittlungs- und Verwaltungsgebühr in Höhe von ca. 4-10% des eingesammelten Kapitals. Die Anleger erhalten zudem jeweils einen risikoadjustierten Zins in Höhe von ca. 5-10% je nach Projekt. Durch Crowdfunding kann teures Eigenkapital aus frühen Projektphasen ersetzt und somit die Finanzierungsstruktur eines Projekts optimiert werden.
Relevante Plattformen sind derzeit Exporo, Zinsland und BrickVest.

5. Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle
Neben der Optimierung Ihrer Geschäftsprozesse, sollte Ihre Digitalisierungsstrategie ebenfalls die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle beinhalten. Die Digitalisierung ist getrieben von Geschäftsmodellen, die sich die Daten Ihrer Kunden zunutze machen. So besteht zum Beispiel die größte Gefahr für traditionelle Unternehmen der Automobilbranche, dass ein Konkurrent selbstfahrende Autos für Nutzer kostenfrei anbietet. Dies könnte durch die Nutzung der dabei produzierten Daten möglich werden.

Eine solch konkrete Gefahr ist in der Immobilienbranche derzeit nicht sichtbar. Ein Umbruch könnte dadurch allerdings umso gefährlicher werden. Projektentwickler müssen sich der Tatsache stellen, dass auch die Immobilienbranche das Ziel disruptiver Innovationen ist.

6. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Megatrends der Digitalisierung
Einen direkten Einfluss auf die Projektentwicklung haben zudem gesellschaftliche und wirtschaftliche Megatrends. Hier ist ,zum Beispiel, der Trend zum Remote oder Co-Working zu nennen. Langfristig wird sich demnach der Flächenbedarf pro Mitarbeiter im gewerblichen Sektor reduzieren. Dies ist bei der Konzeption von Büros und anderen Gewerbeflächen zu beachten. Weitere Auswirkungen der Digitalisierung können Sie hier nachlesen.

Fazit
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Immobilienbranche sind eindeutig. Die Innovationsbereitschaft der Branche ist niedrig. Projektentwickler können die innovativen Angebote junger PropTech Unternehmen nutzen, um eigene Geschäftsprozesse zu optimieren und Kosten zu senken. Durch eine gute Digitalisierungsstrategie können sie ihre Wettbewerbsfähigkeit somit nachhaltig verbessern.

Dabei müssen gesellschaftliche und wirtschaftliche Megatrends genauso beachtet werden, wie die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle. Daten sind die Ressourcen des 21. Jahrhunderts. Bis heute ist es im Immobiliensektor allerdings noch nicht gelungen, diese Erkenntnis voll umfänglich zu adaptieren.

Previous Next
Close
Test Caption
Test Description goes like this