Digitalisierung im Lebenszyklus von Immobilien

Digitalisierung ist ein Trend, dem sich keine Branche entziehen kann. Auch die tendenziell eher traditionelle Immobilienbranche hat dafür nun einen Begriff. So genannte PropTech Unternehmen (Property Technology) versuchen Prozesse zu digitalisieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Wie in allen anderen Branchen werden Start Ups versuchen, disruptive Innovationen zu entwickeln, um bestehende Technologien, Produkte oder Dienstleistungen vom Markt zu verdrängen. Bisher gelingt dies jedoch maximal in kleinen Nischen, wie die folgende Betrachtung zeigt.

Dabei wurden aktuelle Digitalisierungsangebote herausgearbeitet und den Lebensphasen einer Immobilie zugeordnet. So können Bereiche identifiziert werden, welche derzeit unter hohem Digitalisierungsdruck stehen. Gleichzeitig offenbaren sich Lücken im bestehenden Angebot.

Den stärksten PropTech Trend bietet derzeit die Vermittlung von Immobilien. Mit ImmobilienScout24, Immowelt.de und mittlerweile zahlreichen anderen Immobilienbörsen wurde dieser Bereich recht früh digitalisiert und traditionelle Makler unter Druck gesetzt. Dies setzt sich nun fort. Junge Unternehmen bieten Erleichterungen bei der Wohnungssuche durch Bewerberprofile, Bewerbermatching und Inseratsmanagement, um die Vermittlung für Anbieter und Suchende so einfach wie möglich zu gestalten. Dadurch haben sich sogar Plattformen gegründet, die komplette Makler Services für einen Pauschalpreis anbieten. Der Druck auf traditionelle Makler wird dadurch umso stärker.
Digitale Innovationen gehen jedoch bereits weit über die reine Vermittlung hinaus. So bieten Start Ups zum Beispiel Plattform für ein umfassendes Immobilien- bzw. Mietermanagement. Vermieter können auf diesen Plattformen alle relevanten Informationen und Dokumente zur Immobilie speichern und dem Mieter bereitstellen, die komplette Kommunikation abdecken und Aufträge auslösen. Komplett neue Mietmodelle bieten Short-Rental, Serviced Appartement und Co-Working Plattformen. Dabei wird die Funktion einer Immobilie auf ihren Kern heruntergebrochen: der Bereitstellung von Nutzfläche. Nutzer der Plattform müssen dafür keine langfristigen Mietverträge eingehen, sondern können kurzfristig und zeitlich begrenzt bequem ein Appartement oder Büro buchen.

Neben der Vermittlung von Immobilien erfährt derzeit die Finanzierung einen digitalen Wandel. Der Trend des Crowdfundings hat sich außerhalb der Branche etabliert und erfasst nun mehr und mehr die Immobilienfinanzierung. Was mit kleinen, privaten Projekten begann und sich mit Investitionen in Start Ups im deutschen Markt etabliert hat, kann nun rechtlich und technisch ausgereift auch für Immobilien Anwendung finden. Beim Crowdfunding können sich Anleger bereits mit geringen Beträgen an Bestandsimmobilien und Projekten beteiligen. Durch das Pooling vieler Anleger entstehen letztlich ernstzunehmende Summen. Dadurch entsteht für Projektentwickler eine völlig neue Eigenkapitalbeschaffungsvariante und für Kleinanleger eine höchst interessante Anlageform.

Als Teil der Digitalisierung und somit zum PropTech Trend können allerdings auch längst etablierte Bereiche gezählt werden, wie zum Beispiel Computer Aided Design, digitale Datenräume oder digitales Prozessmanagement. Durch diese Technologien wird die Planung und der Bau komplexer und hoch individueller Immobilienprojekte deutlich vereinfacht. Smart Data bildet hier die nächste Evolutionsstufe. So ist zum Beispiel das Unternehmen Leverton zu nennen. „LEVERTON develops and applies disruptive deep learning / machine learning technology to extract and manage data from corporate documents in more than 20 languages. Our clients from the financial and real estate sectors optimize their contract management significantly, manage operational teams more efficiently and process transactions faster.“ Dadurch können relevante Informationen aus Verträgen und anderen Dokumenten extrahiert und zusammengefasst werden.

Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft ist also kein neues Phänomen, allerdings besteht noch viel Potenzial nach oben. Der Innovationsdruck wächst und dennoch zeigt die Branche kaum Bereitschaft, radikale neue Angebot zu erarbeiten. Wie das kürzlich veröffentlichte Innovationsbarometer der EBS Business School in Zusammenarbeit mit INIT Und REMI zeigt, konzentrieren sich die Anbieter noch mehrheitlich auf die Optimierung von Prozessen. Bisherige Innovationen beschränken sich vor allem auf einzelne Teilbereiche des Lebenszyklus einer Immobilie. Der wachsende Trend zu PropTechs wird hier sicherlich neue Impulse setzen, jedoch ist davon auszugehen, dass diese Impulse mehrheitlich von Branchenfremden gesetzt werden.

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